Was bisher geschah…

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Seit 2002 arbeite ich im Investment Banking. Mein Berufsziel war damals, mit smarten Menschen - Kunden und Kollegen - intelligente Lösungen zu erarbeiten, um Risiken von Unternehmen zu mindern und Kapitalanlage ertragreicher zu gestalten.

Zwar war/bin ich immer vielseitig interessiert und habe mich mit anderen Möglichkeiten, die das Leben im 21. Jahrhundert so bietet beschäftigt, aber das Investmentbanking hab ich dafür bisher nie aufgegeben. Wenn ich die Liste anschaue, was ich nebenher gemacht habe, dann wird es schon deutlich, dass ich mich wohl bald unterfordert fühlte. Angefangen von Weiterbildungen, wie dem CFA (Chartered Financial Analyst), über Musik (DJing, Musikproduktion), über Programmieren-Lernen, bis zur Gründung meines Startups 2013 und dem Beginn eines Fernstudiums (Kulturwissenschaften).

Die Zeit ging ins Land, und nach ein paar Wirtschaftszyklen, Krisen und Skandalen ist sowohl auf Banken als auch auf Kundenseite das Interesse und die Bereitschaft zu auch mal unkonventionellen Lösungen für Probleme deutlich geringer geworden. Weil eine Regulierung Risikoaversion vorschreibt und Kapitalmarktteilnehmer drängt, sich auf Standard-Produkte zu konzentrieren.

Jedem unternehmerischen Handeln wohnt ein Risiko inne.

Das gilt wohl jetzt nicht mehr. Gutenberg würde sich im Grab umdrehen. (Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.)

Auch bei meinen Kunden, den Versicherungsunternehmen und berufsständigen Versorgungswerken, bewirken neue regulatorische Anforderungen eine Flut an Verwaltungsaufgaben, die fast mehr Aufwand einzunehmen scheinen, als die für den eigentlichen Geschäftszweck notwendige Arbeit. Und das verdirbt allen die Laune.

In den letzten Jahren wurde mir aber ein paar Dinge immer bewusster:

  • Wir leben in einer Zeit der Demokratisierung von Wissen und Möglichkeiten. Wenn es einem wirklich wichtig ist etwas (anderes) zu tun, dann stehen Tür und Tor offen, sich relevantes Wissen anzueignen und sich zu verändern.
  • Ich selbst bin neugierig und probiere gerne auch mal Dinge aus, die mich aus meiner Komfortzone stoßen.

Und so kam ich zum Ergebnis, die Elternzeit zu nutzen, um mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen und gleichzeitig mir Gedanken über eine berufliche Neuausrichtung zu machen. Natürlich nicht gänzlich ins Blaue hinein, sondern über die Bereiche, in denen meine Leidenschaft liegt, und die bisher zu kurz gekommen sind. Und die haben mit Informatik zu tun.

Mit der Entscheidung für eine Elternzeit waren einige Risiken verbunden, aber im Laufe des Jahres ergab sich dann die Möglichkeit, dass mein Arbeitgeber (nach eigenen Worten) gerne das Team um eine Position reduzieren würde, da man bei allem Weitblick - trotz einer Neueinstellung Mitte Februar - im Mai zu der Erkenntnis kam, dass zwei Personen doch zu viel seien. Und so spielte der Lauf der Dinge mir wieder in die Karten. Denn durch eine faire Einigung bot sich mir die Möglichkeit, mit etwas finanziellem Rückenwind mein Studium zu beginnen.

Natürlich braucht das Mut, aber es ist eben eine Frage der Prioritäten, für die man bereit ist sich einzusetzen und halt auch mal Risiken einzugehen.

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